Vor einigen Tagen habe ich auf Telegram einen Beitrag gelesen, der ein Zitat von Omraam Mikhaël Aïvanhov enthielt. Die Metapher von der Auster und der Perle hat mich nicht mehr losgelassen und mich zu diesem Artikel inspiriert.
Eine Perle beginnt nicht als etwas Wunderschönes. Am Anfang steht ein Sandkorn. Ein kleiner Fremdkörper, der in die Auster gelangt und sie stört. Er reibt, irritiert und verursacht Unbehagen.
Die Auster bekämpft das Sandkorn nicht.
Sie beginnt, es Schicht für Schicht mit Perlmutt zu umhüllen. Und aus etwas Unangenehmem entsteht mit der Zeit etwas Kostbares.
Als ich das gelesen habe, musste ich an mein eigenes Leben denken.
Auch die letzten Monate haben einige Sandkörner mit sich gebracht. Dinge, die ich mir anders gewünscht hätte. Situationen, die mich herausgefordert haben. Momente, in denen ich nicht wusste, wie es weitergeht.
Damals konnte ich oft nicht erkennen, welchen Sinn diese Erfahrungen haben könnten.
Heute sehe ich manches anders.
Manche dieser Herausforderungen haben mich eingeladen, langsamer zu werden. Sie haben mich gelehrt, mehr zu vertrauen und liebevoller mit mir selbst umzugehen.
Jede Frau kennt sie:
Enttäuschungen. Verluste. Verletzungen und Selbstzweifel.
Veränderungen, die wir uns nicht ausgesucht haben.
Wenn diese Dinge geschehen, wünschen wir uns oft, dass sie verschwinden. Wir möchten zurück in die Sicherheit, zurück in das Vertrautem.
Doch manchmal zeigt sich erst viel später, dass gnau diese Erfahrungen etwas in uns verändert haben.
Für mich hat das viel mit Selbstliebe zu tun.
Selbstliebe bedeutet nicht, dass alles leicht ist.
Selbstliebe bedeutet auch nicht, alles schönzureden oder in rosarote Wolken zu verpacken.
Selbstliebe zeigt sich oft gerade dann, wenn das Leben schwierig wird.
Wenn wir uns nicht verurteilen, weil wir traurig sind. Wenn wir uns Zeit geben, obwohl wir gerne schneller wären.
Wenn wir uns mit Mitgefühl begegnen, statt mit Härte.
Das gilt nicht nur für die Beziehung zu uns selbst.
Auch in unseren Beziehungen begegnen uns Sandkörner.
Verletzungen. Enttäuschungen. Konflikte.
Momente, in denen wir uns nicht gesehen oder verstanden fühlen.
Oft wünschen wir uns, dass diese Erfahrungen nicht da wären.
Doch manchmal zeigen sie uns etwas Wertvolles.
Sie machen sichtbar, wonach wir uns sehnen.
Wo wir uns verschließen.
Wo wir uns anpassen.
Wo wir Angst haben, uns wirklich zu zeigen.
Auch ich kenne solche Verletzungen.
Es gab Zeiten in meinem Leben, in denen ich mich nach Nähe, Verständnis und echtem Gesehenwerden gesehnt habe.
Und manchmal waren es gerade die Enttäuschungen, die mir gezeigt haben, wie oft ich selbst meine eigenen Bedürfnisse übergangen hatte.
Rückblickend sehe ich, dass manche Verletzungen mich nicht nur traurig gemacht haben.
Sie haben mich auch näher zu mir selbst geführt.
Vielleicht war genau das die Perle, die daraus entstehen wollte.
Nicht jede Verletzung wird automatisch zu einer Perle.
Doch wenn wir bereit sind, ihr achtsam zu begegnen, kann daraus etwas Kostbares entstehen.
Mehr Selbstliebe.
Mehr Verständnis für uns selbst.
Mehr Mut, uns zu zeigen.
Denn manchmal entstehen die schönsten Perlen genau dort, wo unser Herz berührt wurde.
Rückblickend erkenne ich, dass einige der wertvollsten Erkenntnisse meines Lebens aus Zeiten entstanden sind, die ich niemals freiwillig gewählt hätte.
Vielleicht gibt es auch in deinem Leben ein Sandkorn, das gerade noch reibt und unangenehm ist.
Dann wünsche ich dir, dass du liebevoll mit dir bleibst.
Denn manchmal entsteht etwas Kostbares ganz leise.
Schicht für Schicht.
Und vielleicht erkennst du erst später, dass daraus eine Perle geworden ist.
Wenn du dir auf diesem Weg mehr Begleitung wünschst, findest du hier mehr über meine Arbeit.
Gemeinsam schauen wir achtsam auf das, was gesehen, gefühlt und verwandelt werden möchte.
Inspiriert durch die Perlen-Metapher von Omraam Mikhaël Aïvanhov.
In Liebe und Verbundenheit
Petra Biefang